Besondere Jahrestage

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Saschahohe
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Re: Besondere Jahrestage

Beitrag von Saschahohe » 09.05.2020, 15:42

laotse hat geschrieben:
09.05.2020, 12:49
Der große Europäer Robert Schuman hielt heute vor 70 Jahren eine Rede, in der er die Grundlagen zur späteren EWG und heutigen EU anregte. Deshalb wird heute der Europa-Tag begangen.
Ich vermute mal, die Rede hat er nicht zufällig an diesem Tag gehalten.(?) ;)

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Re: Besondere Jahrestage

Beitrag von laotse » 09.05.2020, 20:43

An den Feierlichkeiten in Moskau hat er an diesem Tag jedenfalls nicht teilgenommen.

Saschahohe
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Re: Besondere Jahrestage

Beitrag von Saschahohe » 10.05.2020, 08:06

laotse hat geschrieben:
09.05.2020, 20:43
An den Feierlichkeiten in Moskau hat er an diesem Tag jedenfalls nicht teilgenommen.
Dafür aber den Vorschlag unterbreitet, die deutsche und französische Kohle- und Stahlproduktion in gemeinsame Hände zu legen. Mit dem Ziel, Rüstungsgüter gemeinsam zu kontrollieren und damit nicht mehr gegeneinander Krieg zu führen.
Auch wenn natürlich auch wirtschaftliche Interessen Frankreichs dahinterstanden, war der Schuman-Plan eine Reaktion auf den vergangenen Krieg und der Beginn des europäischen Integrationsprojektes zur zukünftigen Sicherung des Friedens.

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Re: Besondere Jahrestage

Beitrag von TEDIbär » 11.05.2020, 00:50

isnogud hat geschrieben:
09.05.2020, 15:40
Ich halte den Achten Mai für einen der besten Gedenk- und Feiertage.
Gibt es denn schon einen Tag auf dem wir alle, Opfer wie (Mit)-Täter, auf Adolfs Grab tanzen können?
...
Und die sind nicht befreit worden, Tedi?
An diesem Tag gibt es für Deutsche einfach nichts zu feiern, höchstens zu gedenken.
Zumal eine überwiegende Mehrheit der Deutschen bis kurz vor Kriegsende ihn nicht stürzen wollte, entweder weiter treudoof an seinen verlogenen Lippen hing oder opportunistisch bzw. unter Druck "weitermachte", wie das Deutsche nun mal eben so taten. Von Reue war nach Kriegsende auch kaum eine Spur in der Bevölkerung zu bemerken, wie viele ausländische Zeitzeugen feststellten. Was willst du da feiern? Daß es massivster Militärkraft der Alliierten bedurfte, um diese Diktatur von außen zu beenden? Italiener haben immerhin Mussolini umgekehrt aufgehängt. Hitler mußte sich schon selbst die Kugel geben.
Auf dem Grab des Siegers Stalins wurde auch erst acht Jahre später getanzt bzw. erstmal organisiert geheult. Für die von ihm verantworteten Massengräber, zu denen er gegen Ende seines Lebens auch noch jüdische hinzufügte, gibt es übrigens weiterhin keinen Gedenktag. Zum potthäßlichen Treptowteil dürfen meinetwegen gerne weiterhin die Mitglieder der Linken pilgern und bigott Rosa Luxemburg-Zitate absondern.
Ergänzend hat Jenner die richtigen Worte gefunden.

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Re: Besondere Jahrestage

Beitrag von TEDIbär » 11.05.2020, 00:57

Jenner hat geschrieben:
09.05.2020, 13:27
Die Faschisten strebten im Gegensatz zu Nazis und Kommunisten keine Aufhebung von Klassen in einer Volksgemeinschaft an. Im Gegenteil, Italien verstand sich unter Mussolini als Ständegesellschaft. Die Faschisten kannten auch keine staatlichen 4- bzw. 5-Jahrespläne der Volkswirtschaft, keine Ersetzung staatlicher durch Parteistrukturen usw. Alles das hatten aber Nazis und Kommunisten gemeinsam.
Völlig korrekt. Wobei Mussolini ironischerweise eine sozialistische Vergangenheit hatte.
Hinzu kommt die deutsche Besonderheit des völkischen Rassismus, des mörderischen Antisemitismus und der Ignoranz gegenüber dem christlichen Glauben, während die Kirche in Spanien und Italien ein wesentlicher Stützpfeiler des Systems war. Und bei seinen Feinden, den Kommunisten, hat sich Hitler systemisch viel abgeschaut, wie du schon angedeutet hast, vom Tugendterror über Propganda bis zur cinematografischen Inszenierung, und hat dann aus deren Klassen- ein "Gemeinschafts"denken geformt.
Jenner hat geschrieben:
09.05.2020, 13:27
Ich empfehle in diesem Zusammenhang die Lektüre von Sebastian Haffners Anmerkungen zu Hitler. Dort hat hat er die Gemeinsamkeiten zwischen Nationalsozialismus und real existierendem Sozialismus sehr gut herausgearbeitet und gezeigt, dass beide sich wesentlich vom Faschismus unterschieden.
Haffner ist für mich einer der besten deutschen Historiker.
Erstens konnte er gut, unterhaltsam und pointiert schreiben, damals eine Seltenheit in diesem Metier. Ihm reichten drei, vier Sätze, um ein Phänomen plausibel und trotzdem dfifferenziert zu analysieren, wofür andere Zauberdrachintapeten brauchen und man am Ende vor lauter unstrukturierter Details wenig verstanden hat. Und man hat bei ihm oft das Gefühl: es stimmt. Selbst in Büchern, wo man ihm widerspricht, wie z.B. bei seiner Schlußfolgerung, die Sozialdemokraten hätten die Revolution 1918/19 verraten, kommt man nach der Lektüre schlauer heraus, weil er genau hinschaute und oft den Punkt traf. Und wer außer ihm, der wegen Hitler emigrierte, hätte es wagen können, ein Kapitel "Hitlers Erfoge" zu nennen. Ganz grandios auch "Preußen - ohne Legende", eine Empfehlung für den Forumspreußen, und seine Erinnerungen.

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Re: Besondere Jahrestage

Beitrag von isnogud » 11.05.2020, 09:08

Zweifellos ist Haffner ein kluger Kopf gewesen und seine Essays lesenswert.
Aber er ist kein Historiker. Er ist in wissenschaftlichen Arbeiten
nicht zitierfähig und seine Thesen sind umstritten.

Und zur Einordnung der NSDAP als im Kern linke Partei,
muss ich natürlich an Erika Steinbach denken. Wenn Tedi und Jenner das jetzt auch so sehen wie Erika? na, denn.
Die NSDAP hat natürlich sozialistische Elemente enthalten gehabt und sie stand gegen die Republik (da sind wir uns ja wohl einig), aber sie ist
durch und durch antiaufklärerisch und gegen Internationalismus.

Die braune Revolution, die losbrach als Hitler Reichskanzler wurde,
wurde sehr schnell wieder abgeblasen (Siehe Kaufhausstürmereien).
Gottfried Feders antiliberales Wirtschaftsprogramm "Brechung der Zinsknechtschaft" hatte Null
Wirkung auf die Politik ebensowenig wie die antibürgerlichen Ideen Strassers.

Es gibt auch überhaupt keinen Zweifel im Selbstverständis der Partei, dass es sich
um eine rechtsextreme Partei gehandelt hat. Aber hier muss man immer wieder darauf hinweisen,
dass es damals nicht verboten war, eine Partei zu gründen, die zum Ziel hatte
die Demokratie abzuschaffen. Der große Irrtum der rechten und halbwegs demokratischen
Parteien dieser Zeit (DNVP, DVP, Zentrum) war, dass die Nazis etwas ganz anderes im Sinne
hatten als die Restaurierung des alten Kaiserreiches. Die Nazis waren eine im Kern
neue Bewegung, die sich aber als antimarxistisch, antikomunistisch verstand. Die wollten
auch einen neuen Menschen, aber basierend auf ihrer rasistischen (reaktionären) Ideologie.

Das Schweinesysteme und Schweineideologien zur Durchsetzung ihrer Ideen auf ähnliche Prinzipien
stoßen, bzw. voneinander durch Beobachtung lernen können, sollte nicht dazu führen, dass man sie
miteinander verwechselt und gleichmacht. Gleichmacherei mögen wir doch nicht, oder?

Aber es sei konstatiert, dass J. Fest und A. Baring (zitierfähige) Historiker auch in
das Horn stoßen bzw. gestoßen habe, dass die NSDAP eine linke Partei gewesen sei.
Winkler und Münkler z. B. dagegen nicht.

Edit: Wir können die NSDAP und KPD gerne als antibürgerliche Parteien benennen.

Zum Faschismus einfach mal Wiki:
"Ab den 1920er Jahren wurde der Begriff für alle extrem nationalistischen, nach dem Führerprinzip organisierten antiliberalen und antimarxistischen Bewegungen, Ideologien oder Herrschaftssysteme verwendet, die seit dem Ersten Weltkrieg die parlamentarischen Demokratien abzulösen suchten."
Und ein Zitat aus der Zeit:
Was den Faschismus für die deutsche Rechte bereits vor 1933 so anziehend machte, war aber weniger solch völkische Esoterik. Attraktiv war er, weil er sich als vollendete Synthese bisheriger Politikformen präsentierte. Mit dem Konservatismus teilte er die Feindbestimmungen – und radikalisierte ihn bis zur Auflösung. Vom Liberalismus übernahm er die ökonomischen Prinzipien und den imperialistischen Impuls. Vom Sozialismus kopierte er das dynamische Element und die Integration der Massen. Auf die nüchterne "Entzauberung der Welt" (Max Weber) durch die Moderne reagierte er mit einer aggressiven Wiederbelebung der Mythen. Ganz wie von den avantgardistischen Autoren in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts gefordert, schuf er sich seine mythische Gestalt aus "Rasse und Motoren".
https://www.zeit.de/zeit-geschichte/201 ... er/seite-3

Dass die beiden, Hitler und Mussolini, sich als Brüder im Geiste verstanden haben bzw. verstanden wurden (siehe "Der große Diktator") dürfte auch klar sein.

Wir werden das hier - und womöglich auch irgendwo anders - nicht endgültig lösen. Deshalb habe ich sowohl Für- als Widersprecher genannt.
Zuletzt geändert von isnogud am 11.05.2020, 09:17, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Besondere Jahrestage

Beitrag von isnogud » 11.05.2020, 09:12

TEDIbär hat geschrieben:
11.05.2020, 00:50

An diesem Tag gibt es für Deutsche einfach nichts zu feiern, höchstens zu gedenken.
Ich mache es mal kurz:
Also die Deutschen, die zufälligerweise auch z. B. Juden oder homosexuell waren, die Deutschen, die verfolgt wurden, die haben nichts zu feiern?

Also wir Deutschen sind allesamt Täter? Auch die, die vergast und erschossen worden sind?

Davon ab., bleibe ich dabei, dass sich vor allem die reaktionärsten, deutschnationalsten und auch Nazis am meisten darüber ärgern würden,
wenn wir den 8.5. zum Gedenk- und(!) Feiertag machen würden. Den Vogelschiss bekäme z. B. der Gauland nicht einfach mal so weggewischt vom Sakko. Der bliebe - gott sei dank - kleben.
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Re: Besondere Jahrestage

Beitrag von isnogud » 11.05.2020, 09:18

Edit zur NSDAP: Wir können NSDAP und KPD gerne als antibürgerlich benennen.Was sicherlich den Übertritt ehemaliger KPD Kolonnen zumal in die SA erleichtert haben wird.
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Re: Besondere Jahrestage

Beitrag von Herthort » 11.05.2020, 09:46

Politik und Geschits-Diskussionen bitte in den Big Talk verlagern.

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Re: Besondere Jahrestage

Beitrag von isnogud » 11.05.2020, 09:48

@Herthort:

Könntest Du dann die letzten Beiträge - drehten sich ja alle um den 8.5., wenn ich das richtig gesehen habe - rübertransferieren?
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Re: Besondere Jahrestage

Beitrag von Herthort » 11.05.2020, 10:11

isnogud hat geschrieben:
11.05.2020, 09:48
@Herthort:

Könntest Du dann die letzten Beiträge - drehten sich ja alle um den 8.5., wenn ich das richtig gesehen habe - rübertransferieren?
Es ist nicht ganz falsch zu den Jahrestagen was zu sagen, ev. auch kurz abzuschweifen. Deshalb hab ich sie nicht verschoben. Bevor es aber weiter abschweift, bitte dort weiterführen. Man kann auch Therad-Übergreifend zitieren.

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Re: Besondere Jahrestage

Beitrag von TEDIbär » 13.05.2020, 02:09

isnogud hat geschrieben:
11.05.2020, 09:12
Also die Deutschen, die zufälligerweise auch z. B. Juden oder homosexuell waren, die Deutschen, die verfolgt wurden, die haben nichts zu feiern?
Also wir Deutschen sind allesamt Täter? Auch die, die vergast und erschossen worden sind?
Wir Deutschen waren natürlich beides, v.a. aber Täter. Jeder kann sich an diesem Tag freuen, wie er mag.
Ein nationaler Feiertag wäre aus den erwähnten Gründen aber mMn nicht sinnstiftend.
Ebenso wenig wie Deutsche, die in Feierlaune begeistert italienische Partisanenlieder schmettern, wie ich vor kurzem erleben musste.

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Re: Besondere Jahrestage

Beitrag von PREUSSE » 23.05.2020, 00:00

Heute vor 2 Jahren hat ein barmherziger Schweizer dieses Forum gestartet und Herthanern die Gelegenheit gegeben, sich über ihren Herzens Verein austauschen zu können, deshalb; Danke Herthort :top: :wink2: :fan:

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Re: Besondere Jahrestage

Beitrag von Ray » 23.05.2020, 00:43

PREUSSE hat geschrieben:
23.05.2020, 00:00
Heute vor 2 Jahren hat ein barmherziger Schweizer dieses Forum gestartet und Herthanern die Gelegenheit gegeben, sich über ihren Herzens Verein austauschen zu können, deshalb; Danke Herthort :top: :wink2: :fan:
:top:
Danke auch von mir.
Ich ändere meine Meinung minütlich. Thomas Kemmerich Fußballgott.

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Re: Besondere Jahrestage

Beitrag von Herthort » 23.05.2020, 10:34

Freut mich, danke sehr, und weiterhin viel Ärger, Frust, Genervtsein etc. ..... Aber vor allem viel Spass oder bloss eine unterhaltsame Zeit. Und manchmal die scheinbare Unmöglichkeit einer Versöhnung.

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Re: Besondere Jahrestage

Beitrag von bayerschmidt » 23.05.2020, 13:00

Ich schließe mich an. Besten Dank Herthort!

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Re: Besondere Jahrestage

Beitrag von Fab » 24.05.2020, 11:45

23. Mai 1949: Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland
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23. Mai 2018: Herthaforum
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Nettelbeck
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Re: Besondere Jahrestage

Beitrag von Nettelbeck » 24.05.2020, 17:15

Herthort hat geschrieben:
11.05.2020, 09:46
Politik und Geschits-Diskussionen bitte in den Big Talk verlagern.
welchen sinn macht dann eine überschrift "besondere jahrestage"???


alles was "schon jahre her ist", das ist geschichte im weitesten sinne - naja ich finde diesen thread sinn- und witzlos, überflüssig.
wir können alles in den anderen fäden behandeln was hertha und sport betrifft - für sonstiges brauchts echt kein jahrestage-fred

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